Die Seifenblase & der Mangel an Lehrlingen

Kaum ist die Wirtschaftskrise mit ihren Massenentlassungen überwunden, tritt ein neues Schreckgespenst auf.

 

Der „Fachkräftemangel“, es gibt keine Lehrlinge mehr, es wird alles noch schlimmer…

 

Doch warum ist das so? Haben wir was versäumt, haben wir in die falsche Richtung gekuckt oder war unsere in sich verschlossenen Seifenblase doch zu angenehm um sie zu verlassen? Sind wir bis zum Schluss selbst dafür verantwortlich?

 

Es ist als bewegen wir uns in einer Seifenblase, wir schweben aneinander vorbei, können uns sehen, ein wenig hören aber nicht berühren. Denn würden wir uns berühren, so würden die Seifenblasen zerplatzen.

Wie sieht denn unsere Nachbar- Seifenblase aus?

In einer dieser Seifenblasen sitzt die „Generation Z“. Gerade erst geboren und schon abgehoben, bewegt sie sich durch die Lüfte, still und leise.

 

Die Jugendlichen, welche heute ihren Lebensweg planen, kommen aus dem Jahrgang 2000 bis 2003. Sie gehören der „Generation Z“ an. Eine Generation die anders tickt als die Generation Y und ganz anders als wir. Sie outen sich wie keine andere Generation zuvor, sie wollen wachsen, immer ein bisschen besser werden.

 

Diese Generation hat andere Vorstellungen vom Leben, ein anderes Wertesystem. Sie kommen nicht aus der industriellen Revolution, sie kommen aus der digitalen Welt und leben in ihr. Sie sind auf der Suche nach sinnstiftenden Tätigkeiten und wollen einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag leisten. Sie wollen etwas bewegen!

 

Ihr Respekt gegenüber dem „Chef“ beruht nicht auf Macht und Status sondern auf Kompetenz und Erfahrung. Sie bilden sich selbst, sie eignen sich Wissen dann an, wenn sie es brauchen, die Möglichkeiten dazu gibt es und sie wissen sie zu nutzen.

 

Sie stellen sich ihre Arbeitswelt anders vor, klare Strukturen, Terminvorgaben, Ordnung usw. ist für sie ein schwieriges Thema. Raum und Zeit spielt für sie keine Rolle, die digitale Welt hebt diese auf.

 

Leere Versprechungen und Marketinglügen werden sofort erkannt und es spricht sich rum. Sie wollen die Mensch- zu- Mensch Beziehung. Von Bewerbungen und Werbung in sozialen Netzwerken wie Xing, Linkedin oder FB machen sie einen weiten Bogen. Das funktioniert nicht mehr.

 

Sie sind nicht naiv, sie können „Friends“ von „Freunden“ unterscheiden, sie haben einen natürlich gewachsenen Freundeskreis und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, somit verfügen sie über ein gewaltiges Netzwerk.

Warum sage ich das alles?

Wir können, auch wenn wir es uns noch so sehr wünschen, die Zeit nicht zurückdrehen. Es ist das Hier und Jetzt, sowie die Zukunft in der wir leben. Der heutige Fachkräftemangel kommt nicht von heute auf morgen, er ist eine Folgewirkung unseres Verhaltens und unserer Versäumnisse. Und wenn uns jetzt die Lehrlinge auch noch fehlen, ja dann alles Gute für die Zukunft in unserem Beruf als Spengler. 

 

Doch wenn ich mich jetzt mit dem Thema „Z“ beschäftige, wenn ich bereit bin zu verstehen und zu akzeptieren, wenn Diskussion auf Augenhöhe mit dieser „Generation Z“ für mich kein Problem darstellt und ich die notwendige Akzeptanz und Empathie dafür mitbringe, dann kann ich dem entgegenwirken. Ich muss!

 

Das wir uns um unsere Kunden kümmern, sie umwerben, alles für sie tun, das ist für uns normal und täglich Brot. Dort kennen wir alle Tricks, nehmen uns die Zeit dafür. Sie sind es doch, welche uns die „Kohle“ bringen, das können wir. Wir sind Weltmeister darin, technische Details zu diskutieren, neue innovative Lösungen für die Montage zu finden, ausgeklügelte Maschinen zu bauen, die uns die Arbeit erleichtern.

 

Das wir uns um den „Nachwuchs“, oder sollte ich sagen, um unsere „Zukunft“ kümmern, ja das ist ganz was Neues und es will uns nicht gelingen. Der Grund dafür liegt nicht an unserem Spenglerberuf. Es ist auch nicht der Umstand dass wir nicht modern oder innovativ sind. Es liegt auch nicht an unserem Bekanntheitsgrad. Wir machen Imagevideos, Auftritte in sozialen Netzwerken, coole Energy-Drinks, Auftritte auf Messen, Werbekampagnen, Infostände und vieles mehr.

 

Doch sind wir imstande einen Mensch-zu-Mensch Dialog zu führen, über verschiedenen Generationen hinweg? Gehen wir auf die „Generation Z“ zu, oder verharren wir lieber in unserer Seifenblase in der Hoffnung dass sich die Probleme von selbst lösen?

Es wird niemand kommen!

Wir sind am Zug, wir müssen uns verändern, wir selbst müssen in Aktion treten. So wie wir um Kunden werben, müssen wir um Lehrlinge werben. Aber nicht mit leeren Versprechungen und Worthülsen. Der Inhalt muss passen, alles andere wird sofort erkannt und abgedroschen. Es wird niemand kommen, zu groß ist das Angebot am Markt.

Die Seifenblasen müssen platzen

Es gibt aber eine Chance. Die Seifenblasen müssen platzen, die Generationen müssen sich vermischen. In Zukunft sitzt der Lehrling neben dem „Chef“ am Spengler-Kongress. In Zukunft ist der „Chef“ stolz auf seinen Lehrling und begleitet ihn. Der „Chef“ schafft Möglichkeiten damit sich die Generation „Z“ entwickelt, immer ein wenig besser wird und somit einen relevanten gesellschaftlichen Beitrag leisten kann.

Die Generationen müssen aufeinander zugehen und WIR müssen den ersten Schritt tun!